brunettereads: Gilly Macmillan – Perfect Girl – Nur du kennst die Wahrheit

Click here for the English version.

Nachdem das Wetter wieder schön wurde und ich mit meiner Masterarbeit schon fast fertig war, hatte ich endlich wieder Zeit zu lesen. Laut Goodreads bin ich acht Bücher hintendran, um mein Ziel von 30 Bücher, die ich dieses Jahr lesen will, zu erreichen. Das muss sich ändern! Also war ich froh um diese Lesezeit und bin auch inzwischen weiterhin fleißig am Lesen. Eines der Bücher war Perfect Girl – Nur du kennst die Wahrheit von Gilly Macmillan. Ich bin damals während meines Praktikums darauf gestoßen und hab es mir als E-Book heruntergeladen – und erst ein ein paar Monate später dazu gekommen, es zu lesen. Um was geht’s?

81dt8zjlxl

Foto: https://tulpentopf.de/wp-content/uploads/2017/03/81Dt8zjlXL.jpg

Vor drei Jahren wird Zoes Leben auf den Kopf gestellt, weil sie im Gefängnis landet. Nach kurzer Haft wird die heute 18-Jährige entlassen und baut sich mit ihrer Mutter ein neues Leben auf. Oberste Regel: Ihr Stiefvater Chris darf nie erfahren, dass Zoe mal im Knast saß. Doch als sie und ihr Stiefbruder Lucas ein Pianokonzert geben, platzt ein Mann herein und bezichtigt Zoe als Mörderin – nicht mal 12 Stunden später ist ihre Mutter tot. Und es zeigt sich, dass Zoe nicht die Einzige mit einem dunklen Geheimnis ist… Aber wer ist der Mörder? Ist es tatsächlich Zoe? Und wieso sollte sie ihre eigene Mutter umbringen? Oder war es doch jemand anders?

Wow, tolles Buch! Die ganze Geschichte spielt sich innerhalb von 24 Stunden ab, inklusive einiger Flashback in die Vergangenheit und warum Zoe im Gefängnis saß. Neben ihr erzählt ihre Tante Tessa, ihr ehemaliger Anwalt SamLucas und ihre Mutter. Somit wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven erläutert, was sie noch einmal spannender macht. Und das ist die Geschichte allemal! Ich konnte das Buch kaum weglegen und als ich es fast fertiggelesen hatte, war das für mich total surreal, da es sich immer noch so anfühlte, als ob wir uns noch immer am Anfang befinden. Das liegt vermutlich daran, dass alles innerhalb weniger Stunden stattfindet. Das hat in mir die Frage geweckt, ob der Thriller vielleicht eine Fortsetzung bekommt oder ob nun ganz schnell aufgelöst wird, wer Zoe Mutter umgebracht hat. Letzteres ist der Fall, doch das Ende ist dennoch unerwartet. Wer es war, werde ich euch natürlich nicht verraten, aber am Ende bekommt jeder das, was er verdient 😉

Das heile Familienglück existiert nur nach außen hin. Zoe merkt, dass ihre Mutter sich Chris zuliebe verbiegt. Außerdem ist sie verwundert, als Lucas ihr sein erstes Drehbuch schickt. Die Story: Die Geschichte seiner Eltern sowie der Tod seiner Mutter. Zoe wundert sich erst, warum Lucas ihr das schickt und darauf besteht, dass sie es liest. Für sie ergibt das keinen Sinn und sie macht sich auch nur widerwillig daran, verspürt nicht den Drang, weiterzulesen. Bis Lucas nach dem Mord plötzlich darauf besteht, dass sie das Drehbuch vernichtet. Warum? Was hat es damit auf sich? Die Auflösung hat mich sprachlos und traurig gemacht und sie macht vor allem auf ein wichtiges Thema aufmerksam.

Super Buch, sehr spannend und traurig. Einzig die Geschichte um Sam, Zoe Anwalt, wirkt für mich etwas deplatziert und trägt nicht wirklich zur Geschichte bei – nur seine Rückblenden, deren Geschichten sicherlich auch anders hätten in das Buch eingebunden werden können. Aber sonst kann ich es nur empfehlen und es wird definitiv nicht mein letztes Buch von Gilly Macmillan gewesen sein!

Habt ihr Perfect Girl gelesen? Wie findet ihr die Story und die Auflösung? Findet ihr das Ende gerechtfertigt?

Advertisements

brunettemovie: Baywatch

Click here for the English version.

Long time no movie review! Ich gehe ja kaum ins Kino, weil es mir einfach zu teuer ist, ich niemanden finde, der mit mir in den Film will oder mich ein Film nicht so sehr interessiert, dass ich nicht unbedingt ins Kino muss. Nun ist das bei mir aber so, dass ich, kaum dass ein neuer Film mit Zac Efron ins Kino kommt, sofort ins Kino rennen will – auch wenn ich mir schon vorher denken kann, dass der Film nicht der Knaller wird. Aber es ist nunmal Zac Efron – und wir haben ja bestimmt alle den einen Schauspieler oder die eine Schauspielerin, von dem/ der wir jeden Film sehen wollen, egal, wie die Qualität ist. Es kam Anfang Juni also Baywatch in die deutschen Kinos und die Trailer waren schon super witzig – und versprachen Zac Efron in einigen Szenen oberkörperfrei. Wer kann da schon nein sagen! Meine Schwestern offensichtlich, denn eine habe ich mit Dirty Grandpa schon verschreckt, mit meiner anderen war ich statt in Baywatch in Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (Review dazu gibt’s nächste Woche!). Und somit musste ich mich schon abfinden, Baywatch wannanders sehen zu müssen – bis ich endlich eine Freundin gefunden habe, die den Film auch schauen wollte! Also ging’s am Wochenende ins Kino (wie unglaublich teuer ist das übrigens geworden?!). Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass er gut ist, aber vielleicht hat er mich doch vom Gegenteil überzeugt?

baywatch-cast-1109

Foto: http://cdn-maf1.heartyhosting.com/sites/muscleandfitness.com/files/styles/full_node_image_1090x614/public/media/Baywatch-Cast-1109.jpg?itok=pUueXU3s&timestamp=1494252910

Mitch Buchannon (Dwayne Johnson) ist der Anführer des Baywatch-Rettungsschwimmerteams, neben ihm gehören noch C. J. (Kelly Rohrbach) und Steph (Ilfenesh Hadera) dazu. Jedes Jahr stößt ein neues Mitglied hinzu, das in einer Aufnahmeprüfung aus den anderen Bewerbern hervorstechen muss. Einer von ihnen ist Matt Brody (Zac Efron), der als ehemaliger Olympiasieger vom Verantwortlichen der Stadt aus PR-Zwecken eingestellt wird, um den Ruf der Baywatch wieder auf Vordermann zu bringen. Mitch ist alles andere als begeistert, doch muss sich fügen. Als an ihrem Strand Drogen gefunden werden und es mehrere Todesopfer gibt, beginnen die Rettungsschwimmer, auf eigene Faust zu ermitteln – nur Matt stellt sich quer. Werden sie den Fall trotzdem aufklären können oder zerbricht das Team?

Ganz ehrlich, mich hat überrascht, dass der Film gar nicht so schlecht war! Es gibt viele lustige Szenen, die noch nicht in den diversen Trailern verbraten wurden. Natürlich spielt der Film auch mit den Klischees: der sexy, aber etwas dümmliche Rettungsschwimmer Matt, der etwas pummlige Junge ist in die heiße Rettungsschwimmerin verknallt… Aber das stört im Film überhaupt nicht, auch wenn er dadurch in einigen Erzähsträngen vorhersehbar wird. Generell läuft die Geschichte so typisch ab, wie sie in einem Hollywood-Film nur ablaufen kann. Das könnte man als Kritikpunkt anmerken, aber mir hat er trotzdem gefallen. Bei der Kriminalstory ist auch sofort klar, wer verdächtig ist, die Frage ist nur, wie und ob die ganze Sache aufgeklärt wird. Vielleicht wäre es besser gewesen, das zu verheimlichen, aber Baywatch ist ja auch eine Komödie und kein Krimi.

Da der Film auf der gleichnamigen Serie beruht, dürfen wir uns auch auf Gastauftritte von David Hasselhoff und Pamela Anderson freuen. Als ich das gelesen habe, war ich gespannt, wie die beiden in die Geschichte eingebaut werden. Da ich die Serie nie gesehen habe, wusste ich auch nicht, welche Rollen die beiden verkörpert haben. Eben habe ich gelesen, dass Hasselhoff Mitch Buchannon war und Pamela Anderson C.J. Da stellt sich mir gerade die Frage, welchen Sinn es macht, die beiden überhaupt mitspielen zu lassen, wenn die Rollen im Film sowieso durch Dwayne Johnson und Kelly Rohrbach besetzt sind. Das rückt außerdem meine Meinung, die ich nach dem Film hatte, in eine andere Richtung. Eigentlich fand ich Hasselhoff sinnvoll in die Geschichte eingebaut – zumindest war sein Auftreten deutlich logischer als das von Frau Anderson. Da hatte ich das Gefühl, dass man sich noch schnell irgendwas überlegt hat, um sie irgendwie im Film auftauchen zu lassen. Ist meiner Meinung nach aber leider eher nach hinten losgegangen.

Zac Efron ist – für mich – natürlich DER Hingucker im Film, auch wenn er sich für die Rolle für meinen Geschmack etwas zu viele Muskeln antrainieren musste. So ganz sehnig und muskulös muss man mögen. Davon mal abgesehen ist er viel zu selten oben ohne zu sehen 😉 Dafür stehen ihm aber tatsächlich diese blondierten Strähnchen 😀 Aber jetzt mal im Ernst, ich finde, er hat klasse geschauspielert und mit Dwayne Johnson ein super Gespann gebildet. Die lustigen Szenen sind eindeutig die, wenn Mitch Matt nicht mit seinem richtigen Namen anspricht, weil er ihn nicht Ernst nimmt. Also wird Matt mal mit „Justin Bieber“, „*NSYNC“ oder – am allerbesten – „High School Musical“ angesprochen. Nicht nur Zac ist ein Hingucker, auch Kelly Rohrbach kann sich sehen lassen, ihr Körper ist echt beneidenswert und sie spielt die Rolle der heißen, naiven Rettungsschwimmerin richtig gut. Allerdings habe ich ihr nicht abgenommen, dass C.J. auch eine kompetente Seite hat und tatsächlich engagiert und beherzt Menschenleben retten kann.

Ich fand den Film gut und wer einfach mal abschalten will und einen Film sehen will, bei dem man nicht allzu viel mitdenken muss (und dazu noch etwas zu schauen hat – sowohl die Männer als auch die Frauen), für den ist Baywatch genau die richtige Wahl. Ob er mit der Serie mithalten kann, kann ich euch leider nicht beantworten.

Habt ihr Baywatch gesehen? Wie findet ihr ihn? Und was ist euer Lieblingsschauspieler/ eure Lieblingsschauspielerin, für den/ die ihr in jeden Film gehen würdet?

 

brunettemovie: The Girl on the Train

Als ich vor gut einem Jahr meine Review zum Buch The Girl on the Train von Paula Hawkins hochgeladen habe, hab ich euch ja schon angekündigt, dass der Film dazu gedreht wird. Als er Anfang Oktober endlich in die Kinos kam, konnte ich ihn leider nicht sehen, da ich und meine Mitbewohnerin uns zwar mal vorgenommen haben, The Girl on the Train zu sehen, aber den Plan in die Tat umgesetzt haben wir nie. Als dann das Unikino den Film gezeigt hab, musste ich mit meinen Freunden unbedingt rein. Denn obwohl beim Buch ja nur das Ende so richtig gut und spannend war, habe ich gehofft, dass die Geschichte im Film besser umgesetzt wurde. Außerdem war ich auch gespannt, wie die Erzählstruktur im Film aufgegriffen wird. Also, wie war der Film?

tgott

Foto: http://thelinc.co.uk/wp-content/uploads/2016/10/TGOTT.jpg

Rachel’ (Emily Blunt) Tagesablauf ist immer derselbe: Sie fährt morgens mit dem Zug nach New York und abends wieder zurück. Dabei kommt sie immer an ihrer alten Nachbarschaft vorbei, in der ihr Exmann Tom (Justin Theroux) mit seiner neuen Freundin Anna (Rebecca Ferguson) und ihrem Baby lebt. Im Nachbarhaus wohnen Megan (Haley Bennett) und Scott (Luke Evans), die Rachel zwar nicht kennt, die für sie aber das perfekte Paar darstellen, ohne, dass sie sie persönlich kennt. Doch dann erspäht sie eines Morgens, dass Megan eine Affäre hat, kurz darauf ist sie verschwunden – ausgerechnet an dem Abend, an dem Rachel sich betrunken in der Nachbarschaft aufhält. Rachel ist nämlich Alkoholikerin und ihre Exzesse führen öfter mal zu Blackouts. Am Morgen nach dem Verschwinden wacht Rachel blutverschmiert auf – und mit einem Blackout. Wo ist Megan? Und was hat Rachel mit ihrem Verschwinden zu tun?

Joa. Der Film ist so wie das Buch. Der Anfang zieht sich, es passiert nicht wirklich was und man bekommt viele Informationen auf einmal, die sich teilweise schwer verknüpfen lassen. Mit Megans Verschwinden kommt dann langsam etwas Fahrt auf, aber so richtig spannend wird es nicht. Ich habe mir nochmal meine Review zum Buch durchgelesen und wundere mich, wie ich da so positiv schreiben konnte, denn so habe ich das Buch nicht Erinnerung, Das ganze Buch bzw. der ganze Film ist so lálá, bis eben das Ende kommt und sich alle einzelnen Puzzlestücke zusammenfügen. Dann wird es richtig spannend und da man auch endlich eine klare Position zu den einzelnen Figuren beziehen kann, kann man auch endlich mitfiebern.

Denn auch das ist eines der großen Probleme des Filmes (und des Buches): keiner der Charaktere ist sonderlich sympathisch. Wie soll man denn da den Film mögen oder sich mit einem der Charaktere identifizieren? Die einzige, die im Film noch etwas sympathisch rüberkommt, ist Anna und anfangs auch noch Tom. Das unterscheidet sich vom Buch, hilft aber auch nicht wirklich, da man als Zuschauer aufgrund der Erzählstruktur das Gefühl bekommt, Rachel mögen zu müssen. Aber das ist recht schwer, da sie als Alkoholikerin  und aufgrund ihrer Persönlichkeit einfach keine liebenswerte Person ist.

Der Vorteil, den der Film hat, ist, dass das Ende gut ist. Ein gutes Ende hinterlässt einen Film immer positiv im Gedächtnis und man vergisst gerne mal, dass der Rest nicht ganz so der Knaller war. Aber kann man einen Film wirklich nur wegen seinem Ende empfehlen? Schwierig. Wer das Buch gelesen hat, den interessiert es vielleicht, wie das Buch als Film umgesetzt wurde. Allen anderen würde ich allerdings raten, sich einen anderen Film anzuschauen. Er ist zwar ganz nett, aber 1,5 Stunden ohne Spannung machen 30 Minuten Spannung nicht wett.

Habt ihr The Girl on the Train gesehen? Oder das Buch gelesen? Was ist eure Meinung dazu?

brunettereads: Cody McFadyen – Die Blutlinie

Nach meinem Ausflug in etwas seichtere Geschichten hat es mich wieder zu meinen Thrillern zurückverschlagen. So schön Romanzen auch sind, nichts übertrifft einen guten Krimi. Diesmal habe ich mir Die Blutlinie von Cody McFadyen ausgesucht. Ich weiß gar nicht, wie ich auf das Buch gestoßen bin, aber es liegt nun schon eine Weile auf meinem E-Reader und nun war es an der Zeit, es auch mal zu lesen. Ich hatte keine Ahnung, um was es in dem Buch geht und dass ihr nicht so im Dunkeln seid, wie ich es war, gibt es jetzt eine kurze Inhaltszusammenfassung des Buches.

51ixongsh0l-_sx334_bo1204203200_

Foto: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51iXonGSH0L._SX334_BO1,204,203,200_.jpg

Smokey Barret musste einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Die FBI-Agentin hat ihren Mann und ihre Tochter verloren, als ein Serienkiller bei ihr ins Haus einbrach und ihre Familie auslöschte und sie selbst brutal vergewaltigte und verstümmelte, bevor sie ihn töten konnte. Nun muss Smokey mit ihrem Verlust klarkommen und auch mit den Narben, die nun ihren Körper und ihr Gesicht zieren. Nach einem halben Jahr ist sie immer noch nicht wieder im Dienst zurück und befindet sich weiterhin in Therapie. Doch als ihre beste Freundin Annie von einem Wahnsinnigen brutal ermordet wird, ist das der Auslöser für Smokey, wieder in den aktiven Dienst zurückzukehren. Sie leitet ihr altes Team, dass mit Hochdruck an dem Fall arbeitet. Denn der Killer tötet nicht nur Frauen, er treibt auch das Team in den Wahnsinn: Er sieht sich als Nachfahre Jack the Rippers, seine Morde sind persönlich, er nimmt Kontakt mit dem Team auf und hebt alles auf eine persönliche Ebene. Das hat alles ein Ziel: Smokey zerstören. Schafft es der Killer oder kann Smokey ihn rechtzeitig schnappen, bevor er noch mehr geliebte Menschen umbringt?

Gutes Buch! Die Geschichte ist vor allem gegen Ende sehr spannend und interessant. Anfangs war ich allerdings noch nicht so ganz überzeugt, denn irgendwie kam es mir so vor, als ob man ans Ende einer Geschichte springt, da Smokeys Mann und Tochter tot sind und sie irgendwie weiterlebt. Die Blutlinie ist allerdings der erste Band der Smokey Barret-Reihe, somit konnte man gar nichts verpassen, hat aber das Gefühl, dass es so ist. Hinzu kommt, dass Smokey anfangs doch etwas unsympathisch wirkt, allerdings lässt sich ihre Persönlichkeit leicht durch ihr erlebtes Schicksal erklären. Vielleicht lag es auch einfach am Schreibstil, weshalb ich Smokey erst nicht wirklich mochte, denn der besteht aus kurzen und abgehackten Sätzen. Doch das gibt sich im Laufe des Buches wieder. Außergewöhnlich ist jedoch, dass McFadyen an einigen Stellen den Leser persönlich mit Du und Sie anspricht.

Die Geschichte und der Mörder an sich sind so gestaltet, wie ich es noch nie erlebt habe. Zum einen hat die Story einen seriellen oder filmischen Charakter, ich hatte stellenweise das Gefühl, eine Fernsehserie zu lesen. Die Darstellungs- und Erzählart von McFaden vermitteln einem das Gefühl, mitten in einer Serie zu stecken. Auch der Mördertypus war für mich neu. Ich habe zwar schon einigen brutalen Morden gelesen, aber was dieser Killer da fabriziert, toppt einfach alles. So grausame Morde sind mir bisher nicht untergekommen und das liegt wahrscheinlich auch an der Darstellung von McFadyen, denn der beschreibt die Tötung und den anschließenden Tatort sehr detailliert. Der Täter sieht sich zu dem geboren, was er tut, da er ja ein Nachfolger Jack the Rippers ist, also einer bestimmten Blutlinie entstammt. Er ist sehr organisiert und wirkt, als ob er die ganze Sache schon seit Jahren geplant hat. Als am Ende enthüllt wurde, wer für die grausamen Taten verantwortlich ist, war ich nicht sehr überrascht, da mir am Anfang schon mal der Gedanke gekommen ist, dass diese Person der Täter sein könnte. Aber die Auflösung und das Ende an sich sind noch einmal sehr spannend gestaltet.

Da Smokey die Hauptperson ist, erfahren wir alles nur aus ihrer Sicht, allerdings bekommen wir auch so viel von ihren Teammitgliedern mit. Sie sieht (fast) alle als ihre Freunde an und erzählt uns von deren privaten Schicksalen und Eigenheiten. Da der Mörder eh das ganze Team auf dem Kieker hat, bekommen wir zuverlässig Informationen über die Teammitglieder und deren Familien. Mich hat anfangs nur irritiert, dass ein Mann über eine Frau als Hauptcharakter schreibt, das finde ich sehr ungewöhnlich. Immerhin kann er ja gar nicht wissen, wie komplex das weibliche Gehirn denkt 😉 Den männlichen Hintergrund hat man Smokey auch manchmal angemerkt, denn ab und zu war sie etwas härter in ihrem Handeln, als es weibliche Charaktere von weiblichen Autoren sind. Aber sonst hat man tatsächlich keinen Unterschied gemerkt, es ist sogar der Beginn einer Liebesgeschichte im Buch enthalten und es gibt viele emotionale Stellen.

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich werde auch den zweiten Band, Der Todeskünstler, lesen, da ich dieses Buch mit Der Blutlinie im Doppelpack bekommen habe. Wer auf einen guten (und etwas brutalen) Krimi steht, der kann sich das Buch mal anschauen!

Kennt ihr die Bücher von Cody McFadyen und die Smokey Barret-Reihe? Habt ihr Die Blutlinie gelesen?

brunetteseries: How To Get Away With Murder

Ich habe eine neue Lieblingsserie! How To Get Away With Murder wollte ich ja damals schon auf VOX sehen, als der Sender die Serie ausgestrahlt hat, aber da kam mir dummerweise der Urlaub dazwischen (natürlich nicht dummerweise, Urlaub ist toll 😀 ). Ich hab zwar danach irgendwann mal reingeschalten, aber nichts verstanden und deshalb nach den ersten 5 Minuten wieder den Fernseher ausgemacht. Aber neugierig war ich trotzdem auf die Serie und wollte sie immer sehen, aber ich hab’s einfach nicht gemacht. Ende Juli war es dann endlich soweit und ich hab mir die erste Folge angeschaut. Dass HTGAWM meine Erwartungen voll und ganz erfüllt hat, könnt ihr euch ja bestimmt denken, wenn es nun eine meiner Lieblingsserien ist. Aber um was geht’s denn?

how-to-get

Foto: http://www.imaginary-lights.net/wp-content/uploads/2016/11/how-to-get.jpg

Annalise Keating (Viola Davis) ist die meist bewunderte und gleichzeitig meist gefürchtete Professorin an der Middleton Law School. Neben ihrer Lehrtätigkeit ist sie auch als Strafverteidigerin tätig. In ihrem Strafverteidigungskurs, den sie auch „How To Get Away With Murder“ nennt, ernennt sie jedes Jahr gleich zu Beginn die vier besten Studenten, die während des Uni-Jahres mit ihr in ihrer Kanzlei arbeiten dürfen. Doch dieses Jahr sind es fünf, was die meisten verwundert. Denn neben Michaela Pratt (Aja Naomi King), Laurel Castillo (Karla Souza), Connor Walsh (Jack Falahee) und Asher Millstone (Matt McGorry) wird als Nachzügler auch Wes Gibbins (Alfred Enoch) in die Kanzlei berufen. Und genau das wird Annelise noch zum Verhängnis. Denn ihre Studenten begehen einen Mord – nur gut, dass sie bei ihr lernen, wie man ihn am besten vertuscht, oder?

Die Serie ist einfach nur super spannend! Ich weiß gar nicht, wie lange es schon her ist, dass ich bei einer Serie zum „Binge Watcher“ wurde. Fast jede Folge endet mit so einem fiesen Cliffhanger, dass man einfach immer weiter schauen muss. Allein die erst Folge regt schon durch ihren Einstieg die Neugier an. Denn den Zuschauern wird sofort präsentiert, dass vier Leute einen Mord begangen haben, den sie nun vertuschen wollen. Das ist die Gegenwart, aber in jeder Folge springen wir in die Vergangenheit vor dem Mord, der uns langsam darauf vorbereitet, wieso das alles passiert ist. Wir lernen alle Charaktere besser kennen und können nach und nach den Mord besser einsortieren. Auch, wieso es ausgerechnet diese Person getroffen hat, denn das ist erstmal ziemlich schockierend, wenn man die Leiche am Ende der ersten Folge sieht. Während der einzelnen Folgen wechseln sich Vergangenheit und Gegenwart ab, sodass man als Zuschauer mehr als neugierig wird, wieso es denn nun zum Mord kam und ob die vier tatsächlich damit davonkommen.

Pro Folge wird ein Fall von Annalise angenommen und vor Gericht verhandelt, meist zugunsten ihres Klienten. Bei den Erfolgen vor Gericht helfen ihr nicht nur ihre fünf Studenten, sondern auch ihre Mitarbeiter Bonnie Winterbottom (Liza Weil) und Frank Delfino (Charlie Weber), wobei Frank kein Anwalt ist. Gerade er hilft Annalise den ein oder anderen Fall zu lösen, der unlösbar scheint und wird deshalb oft von ihr mit Spezialaufträgen weggeschickt. Frank ist außerdem ein Frauenheld, der nicht nur einmal eine von Annalises Studentinnen verführt hat. Dieses Jahr ist Laurel sein Opfer, aber die weiß sich entschieden zu wehren.

Bonnie hingegen ist eher ein Mauerblümchen, will ihre Arbeit mehr als korrekt erledigen und man hat den Eindruck, dass sie alleine nicht viel auf die Reihe bekommt. Ohne Annalise wäre sie vermutlich nur halb so erfolgreich. Die fünf Studenten haben alle ganz unterschiedliche Charaktere. Connor ist homosexuell und lebt das auch sehr offen aus. Dass er damit tatsächlich den ein oder anderen Fall lösen kann, ist für die Kanzlei sehr praktisch. Michaela ist das komplette Gegenteil. Sie ist verlobt und bereitet ihre Hochzeit vor, weshalb sowohl ihr Verhalten als auch ihr Kleidungsstil etwas bieder wirken. Sie und Connor haben die größten Probleme damit, gerade einen Menschen umgebracht zu haben und den Mord auch noch vertuschen zu wollen. Weniger „weich“ sind Laurel und Wes. Laurel stammt aus einer reichen Familie und recht hart im Nehmen. Sie trifft ihre eigenen Entscheidungen und denkt dabei logisch, statt sich von ihren Gefühlen leiten zu lassen. Wes ist zwar ein sehr gefühlsbetonter Mensch, aber meist nimmt bei ihm das logische Denken überhand. Nur wenn er selbst emotional von einer Situation betroffen ist, blendet er das Rationale aus. Er ist neben Annalise die zweite Hauptfigur, um die sich alles dreht. Und dann ist da noch Asher… Der ist ein wirklich komischer Typ. Er ist sehr von sich eingenommen und bringt eine sexuelle Bemerkung nach der anderen. Doch tief in seinem Inneren ist er auch ein Sensibelchen und ein Papasöhnchen, das nicht bemerkt, was um ihn herum abläuft. Er wirkt auf den ersten Blick unsympathisch, doch im Laufe der Staffel sieht man auch seine guten Seiten.

Die zentrale Figur der Serie ist aber Annalise. Sie ist eine Person, die man einerseits bewundert, aber andererseits abstoßend findet. Annalise ist eine hervorragende Anwältin, ohne Zweifel. Sie verliert nur sehr selten und sie setzt auch alles daran, dass ihre Klienten heil aus der Sache herauskommen, egal, was sie angestellt haben. An solch einem Ehrgeiz ist nichts auszusetzen, oder? So eine Anwältin wünscht sich jeder. Doch das Problem ist, dass Annalise keine Grenzen kennt. Sie lässt Frank illegale Dinge erledigen und das Schlimme ist, dass sie bei ihrer Verteidigung auch über Leichen geht. Je nachdem, wie die Dinge stehen, scheut sie sich nicht, auch geliebte Menschen zu opfern und die Schuld zuzuweisen. Ihre skrupellose Verhaltensweise ändert aber nichts daran, dass ihre Studenten alles dafür tun, um von ihr die Trophäe zu erhalten, die derjenige bekommt, der sie am meisten beeindruckt. Um eben diese Trophäe zu erlangen, zwingt sie indirekt auch ihre Studenten dazu, skrupellose Taktiken anzuwenden, um an Informationen zu kommen. Annalise ist ein Mensch, den man sowohl liebt als auch hasst – denn unter ihrer harten Schale befindet sich ein weicher Kern.

Genau das macht die Serie aus. Immer wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer oder härter kommen, haut Annalise noch einen drauf. Doch auch gerade die Geschichte um den Mord, der vertuscht werden soll, macht HTGAWM extrem spannend. Schaffen es die vier tatsächlich? Wieso haben sie diese Person umgebracht? Gerade als dann die überraschende Wendung kommt, wird es wieder sehr interessant, wie die Geschichte nun weitergeht. Die Macher der Serie verstehen es auf jeden Fall perfekt, mit allen möglichen Gefühlen der Zuschauer zu spielen: von Freude über Entsetzen, Neugier und Überraschung bis hin zu Trauer ist alles mit dabei. Fast jede Folge endet mit einem Cliffhanger, sodass man einfach weiterschauen muss, weil man es vor Spannung einfach nicht aushält. Leider ist das auch bei der letzten Folge der ersten Staffel so, denn da ist der Cliffhanger wirklich richtig fies. Da hätte ich mir die zweite Staffel auf Netflix gewünscht 😀

Ich finde die Serie einfach klasse und kann sie jedem empfehlen, der auf Krimi, Thriller und Spannung steht.

Habt ihr How To Get Away With Murder geschaut? Wie findet ihr die Serie? Auch so spannend wie ich?

brunettereads: Jonas Jonasson – Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Das ist eines der meist umjubelten Bücher der letzten Jahre: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson. Als der Hype 2009 aufkam, war ich natürlich neugierig, wie das Buch denn so ist, aber der letzte Schritt zum Lesen hat irgendwie immer gefehlt. Auch, dass meine Mama den Roman vor ein paar Jahren geschenkt bekommen hat, hat mich nicht zum Lesen motivieren können. Aber nun war es soweit und ich habe nach sieben Jahren endlich mal den Hintern hochbekommen und das Buch in die Hand genommen. Aber gefällt es mir genauso gut wie all den anderen Lesern?

der-hundertjahrige-der-aus-dem-fenster-stieg-und-verschwand

Der Titel fast schon mal die Ausgangssituation des Buches gut zusammen: Allan Karlsson wird 100 Jahre alt. Ein reifes Alter, doch statt im Altenheim seinen Geburtstag zu feiern, flüchtet er lieber aus diesem und zwar durch das Fenster seines Zimmers. Verrückte Aktion für so einen alten Mann. Und es ist nicht die einzige. Auf seiner Flucht klaut er unter anderem einen Koffer eines Rockerbandenmitglieds mit mehreren Millionen Kronen und zieht damit den Zorn des Rockerclubs auf sich, er findet neue Freunde – einen Kleinkriminellen, einen Imbissbudenbesitzer und eine Frau mit einem Elefanten als Haustier – und begeht ausversehen den ein oder anderen Mord. Die Presse verfolgt das Spektakel natürlich und setzt die Polizei damit stark unter Druck, Allan zu finden. Wer jetzt denkt, dass es doch ungewöhnlich für einen Hundertjährigen ist, solche Aktionen durchzuführen, der kennt Allan nicht. Denn der hat in seiner Vergangenheit schon viele kuriose Dinge erlebt und damit die ein oder andere einschneidende politische Entscheidung getroffen – ohne sich dessen bewusst oder selbst politisch zu sein. Wie ergeht es Allan auf seiner Flucht? Was wird noch alles so passieren?

Super witziges Buch! Am Anfang war ich ja etwas skeptisch, weil ich den Schreibstil von Jonasson etwas ungewöhnlich fand. Er wirkt etwas abgehackt, weil die Sätze meist recht kurz sind – oder wir bekommen einen Schachtelsatz par excellence geliefert. Auch die Tonalität fand ich anfangs etwas ungewöhnlich und ich dachte mir schon, auf was ich mich mit dem Buch denn eingelassen habe und wieso das jeder so toll findet. Letztere Frage konnte ich mir selbst beantworten, als ich mich an den Schreibstil gewöhnt hatte. Das Buch ist einfach super witzig geschrieben! Es kommt ja öfter vor, dass man bei Filmen oder Serien an witzigen Stellen lachen muss, bei Büchern eher selten. Auch wenn die Stellen super witzig sind, kommt uns ja meistens eher nur ein Schmunzeln über die Lippen. Beim Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand musste ich tatsächlich richtig oft lachen. Das liegt zum einen am Schreib- und Erzählstil, zum anderen aber auch an der Konzeption der Figur von Allan. Er ist einfach ein sorgloser Mann, der nicht groß über die Dinge nachdenkt, aber dennoch auf eine gewisse Art intelligent ist. Aber seine unbedarfte Art bringt ihn nicht selten in eine knifflige Situation – woran auch der Alkohol nicht unschuldig ist -, aus denen sein Verstand ihn schnell wieder hinausmanövriert – und auch daran ist der Alkohol oft nicht ganz unschuldig. Das macht einfach Spaß zu lesen und man fragt sich, in welche kuriose Situation er wieder zufällig stolpern wird.

Um die Figur Allan besser zu verstehen, gibt uns Jonasson Rückblendung in seine Vergangenheit seit seiner Geburt an. Vielleicht lässt sich seine Art durch seine ganzen drei Jahre Schulbildung erklären, vielleicht ist er auch einfach so, wie er ist. Diese Passagen sind immer sehr amüsant zu lesen, wie Allan durch Zufall an die großen Namen der Welt- und Politikgeschichte gerät und oft durch seine Aussagen oder Taten den Grundstein für die ein oder andere politische Entscheidung gelegt hat. Seine junge und etwas übermütige Art hat sich Allan bis ins hohe Alter beibehalten, wobei er aber langsam auch altersgerechte Wesensmerkmale aufweist, wie beispielsweise während der eigentlichen Erzählung abzuschweifen und andere, gerade nicht relevante Geschichten zu erzählen. Seinen Verstand funktioniert aber noch einwandfrei.

Das Wechselspiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart gefällt mir eigentlich ganz gut, allerdings hat es auch einen Haken: Nachdem man seitenlang die Geschichte in der Gegenwart verfolgt hat, möchte man natürlich wissen, wie es jetzt weitergeht. Da war es schön etwas blöd, dass im Anschluss ein Vergangenheitskapitel kam. Als ich das allerdings zu Ende gelesen hatte, wollte ich unbedingt die Vergangenheit weiterlesen statt die Gegenwart. Also hat Jonasson mit seiner Erzählweise eigentlich alles richtig gemacht, aber irgendwie auch nicht 😉

Apropos Kapitel: Die sind teilweise ellenlang. Anfangs geht’s noch, aber ab der Mitte des Buches kann so ein Kapitel gut und gerne mal 30 Seiten haben. Allerdings sind die Kapitel auch gut in Sinnesabschnitte unterteilt, sodass man auch mal mittendrin das Lesen aufhören kann, ohne aus der Geschichte gerissen zu werden oder mitten im Geschehen wieder einsteigen zu müssen.

Das Ende rundet die Geschichte ab und gefällt mir auch gut. Ich war sogar ein bisschen traurig, als ich die letzte Seite gelesen hatte. Ich kann das Buch also wirklich nur empfehlen und kann auch verstehen, wieso jeder so begeistert von dem Hundertjährigen ist, der aus dem Fenster stieg und verschwand!

Habt ihr Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand gelesen? Wie fandet ihr das Buch? Habt ihr auch den Film gesehen?

brunetteseries: Making a Murderer

Auf diese Serie bin ich auf verschiedene Wege gestoßen: Zuerst auf Snapchat und dem YouTube-Kanal von Estée Lalonde (früher Essiebutton), die so von der Serie geschwärmt hat und nicht aufhören konnte zu schauen. Als ich dann auf einem Blog eine Review zu Making a Murderer gelesen habe, wollte ich die Serie noch mehr schauen. Einzige Hürde: Sie wird nur auf Netflix ausgestrahlt und zu dem Zeitpunkt hatte ich das noch nicht. Aber das hat sich nun geändert und ich habe mir Making a Murderer angeschaut. War ganz anders, als ich mir das vorgestellt habe, aber zu später mehr. Jetzt werde ich euch erst mal erzählen, um was es geht.

making-a-murderer
Quelle: cdn29.elitedaily.com/content/uploads/2015/12/31151311/Making-a-Murderer.jpg

Alles beruht auf einer wahren Begebenheit: Steven Avery lebt ein ganz normales Leben, ist verheiratet, hat Kinder und seine Frau ist wieder schwanger. Er hat zwar in seiner Jugend ein paar kleinere Verbrechen wie Einbrüche begangen, aber nichts Schwerwiegendes. Außerdem ist sein IQ auch nicht gerade sehr hoch. Eines Tages wird Steven verhaftet mit der Begründung, er habe eine Frau angegriffen und vergewaltigt. Obwohl er felsenfest behauptet, dass er unschuldig ist, wird er verurteilt und sitzt 18 Jahre im Gefängnis – bis seine Unschuld tatsächlich bewiesen wird. Er kommt frei und verklagt die Behörden auf Schadensersatz. Doch zwei Jahre später geht das Drama von vorne los: Auf Stevens Grundstück wird die Leiche einer Frau gefunden – und Steven bietet sich als Mörder natürlich perfekt an. Er wird wieder verhaftet und behauptet wieder seine Unschuld – aber ist er es diesmal wirklich? Oder will ihm da jemand etwas anhängen? Seine Anwälte versuchen, die Unschuld zu beweisen und was da alles ans Licht kommt, ist der Wahnsinn. Aber wird Steven auch frei gesprochen?

Eine sehr spannende Serie! Wobei ich eher Dokumentation sagen sollte, denn die einzelnen Folgen sind alle im Dokumentarstil  gehalten. Das hat mich am Anfang auch ziemlich überrascht und irritiert, ich bin felsenfest von einer ganz normalen Serie ausgegangen, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Aber es werden nur Originaltonaufnahmen, -bilder und –videos hergenommen, auch aus den Verhörräumen. Ergänzt wird alles durch Interviews und Statements von Familienmitgliedern und den Anwälten. Ich würde euch empfehlen, die Serie auf Englisch zu schauen, denn bei der deutschen Version wird die Übersetzung einfach über das Englische gelegt, dass immer noch leicht im Hintergrund zu hören ist. Ich finde es meistens sehr schwer, über einen längeren Zeitraum diesen Mischmasch anzuhören und da jede Folge ca. eine Stunde lang ist, finde ich es angenehmer, auf Englisch zu schauen.

Zur Geschichte: Wenn man nicht wüsste, dass das alles wahr ist, könnte das auch alles aus der Feder eines Drehbuchautors stammen. Wie wahrscheinlich ist das denn, nachdem einer schon mal unschuldig gesessen hat, dass er noch mal (vermutlich) unschuldig hinter Gitter kommt? Das würde definitiv eine gute Geschichte abgeben, auch die ganzen Vorkommnisse nach der Verhaftung. Was da alles nach und nach ans Licht kommt, ist teilweise zu unglaublich um wahr zu sein. Die Strategie, auf der die Verteidigung aufgebaut ist, klingt plausibel und sollte sich tatsächlich alles als wahr herausstellen, steht die Polizei in Amerika vor einem ganz großen Skandal. Aber um was es genau geht, da müsst ihr schon die Serie/ Doku schauen.

Die Serie vermittelt sehr stark den Eindruck, dass Avery unschuldig ist. Der Eindruck kam auch bei mir an und ich war gespannt, ob sie ihn am Ende freisprechen oder nicht. Doch genau das ist meiner Meinung nach der Fehler der Serie: Es werden eigentlich nur Beweise für Stevens Unschuld angeführt, aber die Anhaltspunkte, die eben für seine Schuld sprechen und die die Polizei ja auch haben muss, um ihn festzuhalten, werden unter den Tisch gekehrt. Die einzigen Argumente, die von polizeilicher Seite aus kommen, werden entkräftet. Wenn man das weiß, dass einige Beweise in der Serie unterschlagen werden, finde ich es im Nachhinein etwas schwierig, mir wirklich ein Bild von Averys Unschuld zu machen. Hinzu kommt, dass Stevens damalige Freundin nun ihren Aussagen aus der Serie wiederspricht. Sie steht nicht mehr hinter ihm, meint, er hätte sie missbraucht und angedroht, sie und ihre Familie umzubringen. Ob das stimmt oder sie jetzt nur die Aufmerksamkeit ausnutzen will, um Geld für Interviews zu kassieren, werden wir wohl nie erfahren. Achtung, einen Satz muss ich noch loswerden, deswegen Spoileralarm! Angenommen, Steven wäre wirklich unschuldig, dann ist der Polizei ein sehr, sehr grober Fehler unterlaufen und der wahre Mörder ist immer noch frei und freut sich, dass er den Mord jemand anderen anhängen konnte.

Was Making a Murderer aber aufzeigt, sind die Mängel des amerikanischen Justizsystems. Ich meine, mal gelesen zu haben (oder es kam in der Serie vor), dass es in Amerika deutlich wahrscheinlicher ist als in Deutschland, unschuldig hinter Gitter zu wandern. Das ist natürlich für die Polizei immer peinlich, wenn ans Licht kommt, dass man sich grobe Fehler bei der Ermittlung geleistet und den Falschen weggesperrt hat. So etwas darf einfach nicht passieren. Der Polizei kam es dann natürlich auch gerade recht, dass mitten in Stevens Schadensersatzklage eine Leiche auf seinem Grundstück gefunden wird. Bei der Mordermittlung wird augenscheinlich auch wieder geschlampt und damit kommt die Polizei leider auch meistens durch.

Ich finde die Serie sehr spannend und jeder, der Netflix hat, sollte sich Making a Murderer anschauen. Man erhält einen guten Einblick in das amerikanische Justizsystem und am Ende muss sich auch jeder seine eigene Meinung bilden, ob Avery schuldig ist oder nicht. Wer auf solche „True Crime-Dokus“ steht, wird auch Making a Murderer gut finden.

Habt ihr die Serie gesehen? Was ist eure Meinung: Ist Steven schuldig oder unschuldig?