brunettereads: Helen Callaghan – DEAR AMY – Er wird mich töten, wenn du mich nicht findest

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Puuh, was für ein langer Buchtitel! Aber der fällt einem im Buchhandel gar nicht auf, denn einzig das giftgrüne DEAR AMY sticht einem ins Auge. Wie bei Perfect Girl bin ich auch während meines Praktikums auf dieses Buch gestoßen – eben wegen dieser grünen Schrift. Ist eben schwer zu übersehen, wenn es auf dem Schreibtisch meines Kollegen liegt 😉 Ganz ehrlich, ich war nur wegen dem Cover sicher, dass ich das Buch lesen muss und hab mir nicht mal den Klappentext durchgelesen, bevor ich mir das eBook heruntergeladen habe. Ich wusste einfach schon so, dass ich die Story gut finden werde. Dazu trägt auch der Untertitel bei, denn Er wird ich töten, wenn du mich nicht findest – wie spannend hört sich das bitte an? Um euch nicht weiter auf die Folter zu spannen, verrate ich auch jetzt, um was es im Buch von Helen Callaghan  geht, denn das wusste ich ja auch nicht, bevor ich das Lesen angefangen habe 😀

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Margot Lewis arbeitet als Lehrerin an einer Highschool, steht kurz vor der Scheidung und beantwortet in ihrer Kolumne „Dear Amy“ in der Zeitung als Kummerkastentante Fragen, die ihre Leser einschicken. Plötzlich verschwindet eine ihrer Schülerinnen, Katie, und einige Wochen später erreicht Margot in der Redaktion ein Brief von einer Bethan, die schreibt, vor 15 Jahren selbst entführt worden zu sein – und Margot ist ihre letzte Rettung! Sie beschreibt ihren Kidnapper, fleht Margot an, ihr zu helfen. Die geht zur Polizei und prüft selbst nach, ob es sich wirklich um das verschwundene Mädchen handeln kann. Denn wie kann sie unbemerkt Briefe per Post abschicken? Nimmt sie nur jemand auf den Arm? Oder lebt Bethan tatsächlich noch? Wird die Polizei helfen und auch Katie noch rechtzeitig finden?

So spannend und so gut! Man ist mit Katies Entführung auch sofort in der Geschichte drin und möchte dem Mädchen noch zurufen, nicht so naiv zu sein, aber es hilft leider nichts. Dann wird es natürlich spannend, als Margot die Briefe von Bethan erhält und man sich eben genau diese Frage stellt, wie es sein kann, dass ein entführtes Mädchen Briefe abschicken kann. Vielleicht nur ein Trick vom Entführer? Die Suche nach Bethan rückt dann mehr in der Vordergrund als die nach Katie, die aber noch durch eigene Kapitel vertreten ist, in denen man merkt, dass ihre Zeit beim Kidnapper langsam knapp wird. Generell ist im Buch ein Mix aus Katie, der Suche nach Bethan und Margots Privatleben, denn da geht es gerade recht turbulent zu. Für mich genau die richtige Mischung, denn ich wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht und konnte fast nicht aufhören zu lesen. Leider waren die Kapitel (bis auf Katies) etwas lang, weshalb ich mir abends im Bett immer gut überlegt habe, ob ich noch ein weiteres lesen oder nicht doch lieber schlafen soll – immerhin stand da meine Masterarbeit noch im Raum (die übrigens inzwischen abgegeben ist! Keine Bachelorette mehr, wuhu!). Oftmals wurde es aber noch ein Kapitel 😉

Das Ende ist einfach sehr, sehr überraschend. Es kommt zu einer Wendung, mit der vermutlich keiner rechnet. Das hat Helen Callaghan echt richtig gut gemacht. Ich saß tatsächlich erst mal mit offenem Mund da. Wie das Buch ausgeht, konnte man allerdings erwarten und war nicht ganz so überraschend, aber das, was kurz davor passiert… wow, einfach nur wow! Allein deswegen lohnt es sich, das Buch zu lesen, wegen dieser einen, unerwarteten Wendung. Ich bin immer noch ganz begeistert von diesem Twist 😉 Was auf jeden Fall noch wissenswert ist, ist, dass Margot in ihrer Jugend zweimal in psychologischer Behandlung war, wegen Drogen und Halluzinationen. Und jetzt, in der Gegenwart, bekommt sie Briefe von einem vor 15 Jahren entführten Mädchen und meint, verfolgt zu werden. Glaubhaft? Hm, wohl eher nicht, andererseits nimmt sie ja keine Drogen mehr…

Ich kann euch das Buch nur wärmsten empfehlen. Super spannend, dann dieser Plottwist (hab ich den schon ausreichend gewürdigt? 😉 ) und einfach mitreißend. Helen Callaghans Debut ist definitiv gelungen und ich freue mich auf weitere Bücher von ihr!

Habt ihr DEAR AMY gelesen? Wie findet ihr die Story und die überraschende Wende am Ende?

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brunettereads: Laura Griffin – Dein ist der Tod

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Als ich mal über das Wochenende bei meinen Eltern zu Besuch war, hatte ich natürlich mein Buch dabei. Eines sollte reichen, dachte ich – waren ja auch nur vier Tage. Tja, denkste, es war gutes Wetter, für die Masterarbeit macht man ja sowieso nie was daheim und dann war mein Buch innerhalb 1,5 Tage durchgelesen. Zum Glück hatte meine Schwester noch ein Mängelexemplare-Buch daheim und dann war das auch noch ein Krimi – ich war also versorgt. Normalerweise bin ich von den Mängelexemplaren begeistert, da sich da manchmal echte Schätze verbergen, aber kann Dein ist der Tod von Laura Griffin da auch mithalten?

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Schockmoment für Mia Voss! Als die Forensikerin nach dem Einkaufen in ihr Auto steigt, wird sie von einem Unbekannten auf der Rücksitzbank entführt. Zum Glück kann sie sich befreien, doch kurz darauf verschwindet auch ihr Neffe. Zufall? Wohl nicht! Ric Santos beginnt zu ermitteln und auch Mia stellt Nachforschungen an. Haben die beiden Entführungen etwa mit dem Fall zu tun, den sie gerade im Labor untersucht und hinter dem sie mehr vermutet als eine Einzeltat? Während der Ermittlungen gerät sie in Lebensgefahr und muss Ric nicht nur einmal ihr Leben anvertrauen. Wer ist der Täter und was will er von Mia? Kann Ric sie beschützen?

Das Buch ist an sich nicht so schlecht, aber irgendwie fehlt doch die Spannung. Viel mehr hatte ich das Gefühl, dass die Liebesgeschichte um Mia und Ric mehr im Vordergrund stand als der Fall. Dabei ist der Einstieg so vielversprechend: Wir befinden uns sofort mitten im Geschehen, Mia wird entführt, man ist traurig und auch ein bisschen neugierig, was in der Vergangenheit zwischen ihr und Ric lief und wieso es nicht zu einer Beziehung kam. Aber dann ist die Romanze so ein ewiges Hin und Her, dass es mir manchmal etwas zu blöd war. Vor allem, weil Mia sich total überstürzt in diese Beziehung hineinsteigert, nach dem ersten Sex ans Heiraten und Kinder denkt, während Ric nach einer Woche „Beziehung“ (denn das ist noch nicht mal eine) seine Zahnbürste bei ihr hat – und das auch nicht wegen der Beziehung, sondern weil er wegen des Falls bei ihr schläft. Man merkt außerdem, dass die Geschichte aus der Feder einer Frau stammt, denn was ich wirklich noch nie gelesen habe, sei es in einem Liebesroman oder sonstigem Buch, ist, dass sich Mia nach dem Sex Sorgen macht, dass sie zu schwer sein könnte, als sie auf Ric liegt. Ernsthaft? Kann man solche Gedanken nicht wenigstens aus Büchern heraushalten? Ist ja eigentlich schon traurig genug, dass wir Frauen sowas tatsächlich denken, dann muss ich das nicht auch noch in einem Buch lesen, bei dem ich aus der Realität eigentlich fliehen will. Und schon gar nicht in einem Thriller, denn das ist das Buch ja eigentlich, auch wenn man es nicht meinen mag.

Wie schon gesagt, hat mir etwas die Spannung gefehlt, obwohl eigentlich einige spannende Momente gegeben sind, vieles war allerdings vorherzusehen… Die Kapitelstruktur hat dabei auch nicht geholfen, denn sie waren teilweise etwas zu lang und wenn nunmal kaum etwas darin passiert, was einen animiert, weiterzulesen, dann zieht sich die Geschichte ganz schön.  Und wenn dann aber am Ende ein Cliffhanger kommt, steht man vor dem Dilemma, ob man sich noch so einem langen Kapitel widmet oder einfach schnell die ersten Zeilen liest und danach schlafen geht.

Die Grundgeschichte, abgesehen vom Liebeswirrwarr, finde ich eigentlich interessant und hätte man auch definitiv gut gestalten können. Vielleicht hat die Romanze einfach zu sehr vom Eigentlichen abgelenkt. Ob es am Ende ein Happy End gibt, Ric Mia beschützen kann und der Täter geschnappt wird, müsst ihr dann schon selbst lesen. Ich fand jedenfalls die Auflösung nicht so gelungen und nicht so plausibel. Wer der Kidnapper ist, hat für mich nicht so viel Sinn gemacht. Und dann bekommen wir zum Schluss auch noch eine zweite Liebesgeschichte serviert, die sich schon relativ früh im Buch angedeutet hat. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass Laura Griffin das Prinzip eines Thrillers nicht so ganz verstanden hat 😉 Prinzipiell finde ich ein bisschen Romantik im Krimi nicht schlimm, mag das auch eigentlich, aber sie sollte dann eher im Hintergrund ablaufen. In Dein ist der Tod wurde meines Empfindens nach der Fokus eher auf die Beziehung von Mia und Ric gelegt.

Wie ihr euch sicher denken könnt, kann ich euch deshalb das Buch nur bedingt weiterempfehlen. Ich denke auch nicht, dass ich von Laura Griffin noch etwas lesen werde, Dein ist der Tod hat mich leider nicht so überzeugt.

Habt ihr das Buch gelesen und wie findet ihr es? Oder andere Bücher von Laura Griffin? Liegt der Fokus da auch so stark auf den Liebesgeschichten?

brunettereads: Amy Gentry – Good As Gone

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So langsam komme ich wieder in meinen gewohnten Lesetrott und schon habe ich mein zweites Englisches Buch beendet, nämlich Good As Gone von Amy Gentry. Darauf bin ich in der Zeitschrift freundin gestoßen und die Inhaltsangabe hat sich total spannend angehört. Gelesen und sofort auf Amazon gekauft – so soll es sein! Ich will auch gar nicht länger herumreden, worum geht’s in dem Buch?

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Vor acht Jahren erlebten die Whitackers das, was man niemanden wünscht: Ihre Tochter Julie wird nachts aus dem Haus entführt. Zeugin ist ausgerechnet ihre jüngere Schwester Jane, die das Geschehen durch die offene Zimmertür, versteckt im Kleiderschrank, verfolgt. Erst Stunden später traut sie sich heraus und informiert ihre Eltern. Doch zu spät, zu Julie führt keine Spur. Doch dann passiert das Unglaubliche: Nach diesen besagten acht Jahren steht auf einmal ein Mädchen vor der Tür, das behauptet, Julie zu sein. Ihre Julie! Doch irgendwie hat Mama Anna ein komisches Gefühl, in dem sie kurz darauf bestätigt wird. Ist das wirklich ihre verschwundene Tochter? Und wenn sie es nicht ist: Was will diese junge Frau dann von der Familie?

Das Buch ist so, so gut! Spannend ist vielleicht das falsche Wort, aber es macht einen unglaublich neugierig, sodass ich die Kapitel nur so verschlungen habe. Das gute Wetter hat dazu natürlich auch beigetragen, denn wo liest es sich besser als in der Sonne (und wenn man eigentlich für die Masterarbeit recherchieren sollte? Aber lassen wir das Thema…)? Allein der Anfang der Geschichte jagt einen Gänsehaut ein, wenn man aus Janes Perspektive erfährt, wie sie die Entführung ihrer Schwester miterlebt. Dann wechselt die Erzählperspektive und Anna berichtet uns von der Gegenwart und vom plötzlichen Auftauchen Julies. Natürlich erfahren wir auch sofort, was ihr zugestoßen ist: Sie wurde von ihrem Entführer verkauft und als Sex-Sklavin missbraucht. Oder?

Irgendwie kommen Anna Zweifel, die durch einen Privatdetektiv auch noch geschürt werden. Hinzu kommt, dass wir, die Leser, nun auch noch Julies Perspektive erfahren – und die Gute hat ganz schön viele Gesichter und Namen. Ihre Geschichte durchlaufen wir von der Gegenwart hin bis zur vermeintlichen Entführung. Ist das Mädchen also wirklich Julie? Immerhin nennt sie ihre Eltern auch nicht Mama und Papa, sondern bei Vornamen, ein weiteres Indiz. Die Rückblicke von „Julie“ haben mich anfangs noch etwas gestört, da sie ziemlich nichtssagenden waren und ich lieber die Gegenwart weitergelesen hätte, um zu erfahren, wer denn nun hinter dem Mädchen steckt. Doch ab der Mitte des Buches hat sich mir langsam der Verdacht eingeschlichen, wie die Geschichte wohl enden könnte – so war es dann auch, aber es war sehr interessant zu lesen, wie Amy Gentry die Story weiterlaufen lässt und zum Ende hindreht.

Dieses ist einerseits spektakulär, andererseits auch etwas lahm. Die Spannung, die dann doch noch aufkam und bis zu diesem Punkt hin aufgebaut wurde, ließ dann abrupt nach und irgendwie… ja, hat doch ein entscheidender Faktor gefehlt. Die Frage, ob Julie nun die echte Julie ist, wurde genauso lasch aufgeklärt, da hätte ich mir doch etwas mehr Drama gewünscht (okay, das gab es – aber es war einfach nicht packend)! Außerdem wird am Ende noch eine kleine Message mitgegeben, wie leicht man im Social Media-Zeitalter manipuliert werden kann, insbesondere als naiver Teenager – da bekommt man als Eltern bestimmt Bedenken, ob das Web 2.0 wirklich so toll ist.

Die einzelnen Charaktere werden einem näher gebracht, bis auf Annas Mann Tom, der irgendwie eher im Hintergrund ist, auch wenn er für die Kinder eine tragende Rolle spielt. Neben der Erzählerin Anna und „Julie“ liegt der Nebenfokus auch auf Jane, die unter Julies Verschwinden viel leiden musste: Die Mutter gibt ihr indirekt die Schuld, fängt das Trinken an und interessiert sich im Laufe ihres Lebens nicht mehr für ihre jüngste Tochter. Das bereut Anna zwar später, die Beziehung zu Jane ist seitdem aber stark belastet. Irgendwie versteht man Anna, dass sie nach der Entführung in ein Loch fällt und einen Schuldigen sucht, aber ein zehnjähriges Mädchen – was hätte sie machen sollen, schreien? Und das Risiko eingehen, dass Julie getötet wird? Immerhin hatte der Kidnapper ein Messer an deren Rücken gehalten!

Das Buch ist auf jeden Fall toll und wer auf einen guten Krimi steht, sollte sich Good As Gone definitiv mal anschauen!

Habt ihr das Buch gelesen? Wie findet ihr die Story und die Auflösung am Ende?

brunettereads: Lars Kepler – Der Sandmann

Ach, ich liebe Mängelexemplare! Im Februar habe ich mir Der Sandmann von Lars Kepler zugelegt, weil mich sowohl Cover als auch Klappentext angesprochen haben und ich habe es mal wieder nicht bereut. Bei den Mängelexemplaren sind so oft so tolle Autoren dabei, die man für einen kleinen Preis neu kennenlernen kann. Deswegen rede ich gar nicht lange drumherum, sondern fange gleich an, euch zu erzählen, um was es in dem Buch geht.

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Wir befinden uns in Schweden in der Nähe von Stockholm: In einer Psychatrie befindet sich in der geschlossenen Abteilung der Serienmörder Jurek Walter. Er wurde damals von Kriminalkommissar Joona Linna und seinem Kollegen gefasst, doch noch immer sind zwei seiner Opfer unauffindbar. Walter entführte nach und nach mehrere Mitglieder unterschiedlicher Familien, welche nach einigen Monaten oder Jahren tot aufgefunden wurden. Noch immer fehlt jede Spur von Mikael Reidar-Frost und seiner Schwester Felicia, die vor 12 Jahren vor Walters Verhaftung entführt wurden. Doch plötzlich taucht Mikael völlig blutverschmiert und halb tot auf, er leidet an der Legionärskrankheit. Er wird aufgepäppelt und Joona wunder sich, wie Mikael auf einmal frei kommen und wie er überhaupt so lange überleben konnte, wo Walter doch in Haft ist. Aber nun muss auch noch Felicia gefunden werden und Mikael soll dabei helfen. Jedoch kann er kaum Angaben machen, er spricht nur von einem Sandmann mit klackernden Fingernägeln, der sie mit Nahrung versorgt und Sand in die „Kapsel“, in der sie gefangen gehalten werden, bläst, woraufhin die beiden einschlafen. Um an bessere Informationen zu kommen, wird eine Polizistin verdeckt in die Psychiatrie eingeschleust, sie soll das Vertrauen von Jurek Walter gewinnen. Aber werden sie Felicia noch rechtzeitig finden, bevor sie an der Legionärskrankheit, an der auch sie wahrscheinlich leidet, stirbt?

Das Buch ist so spannend! Ich bin total begeistert. Die unterschiedlichen Charaktere werden alle genau eingeführt und gezeichnet, sodass der Leser gute Kenntnisse über die einzelnen Figuren erlangt. Allerdings wirkt so der Anfang des Buches auch etwas wirr, da die Personen vorerst ohne Zusammenhang vorgestellt werden und es plötzliche Szenenwechsel gibt, auf die ich nicht vorbereitet war. Das liegt daran, dass das Buch in sehr, sehr kleine Kapitel aufgeteilt ist, jedes umfasst ca. 4 Seiten, eher weniger, selten mehr. So spielen viele Kapitel innerhalb einer Szene und wenn dann eine neue Szene begonnen hat, war das für mich etwas zu verwirrend. Es wäre definitiv einfacher, dein Überblick zu behalten – insbesondere am Anfang – wenn die Kapitel nach Sinnesabschnitten unterteilt wären. Aber so war ich immer mitten im Spannungsbogen, wenn ein Kapitel geendet hat, und ich habe gefühlt deutlich mehr gelesen als wenn es große Kapitel gewesen wären. Liegt aber wahrscheinlich daran, weil es einem immer so vorkommt, als ob man viel gelesen hätte, wenn man viele Kapitel liest 😀

Eine Figur, die erwähnenswert ist und die ich in der Inhaltszusammenfassung weggelassen habe, ist Anders Rönn. Er ist die Vertretung einer Ärztin in der Psychatrie, die aus Angst vor Jurek Walter beurlaubt wurde. Anfangs wirkt Rönn noch etwas naiv und unerfahren, er hat eine Frau und eine Tochter mit autistischen Zügen. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr wendet sich das Blatt. Anfangs hatte ich noch Mitgefühl mit Rönn und fand ihn sympathisch, weil er trotz der Gefahr, angegriffen zu werden, in Walters Zelle musste und letztendlich einen Brief von Walter an seinen Anwalt herausschmuggelt und absendet. Außerdem scheint er eine nette Frau zu haben. Aber nach und nach kommen Dinge ans Licht, die Rönn immer unsympathischer werden lassen. Er und seine Frau kurbeln ihr Liebesleben à la 50 Shades of Grey an – soweit nichts verwerfliches, doch Rönn liebt es, der dominante Part zu sein und zwar so sehr, dass er über die Schmerz- und Willensgrenzen seiner Frau hinaus geht. Die ganze Perversität – denn es gibt bei Weitem noch mehr – endet in etwas Unglaublichem und mit einem Ende, bei dem zumindest ich finde, dass er es verdient hat.

Der Kommissar Joona Linna, er die zentrale Figur des Buches ist, ist in diesem Fall von persönlicher Betroffenheit angetrieben. Nach Walters Verhaftung verschwand die Familie seines Kollegen, mit dem er Walter geschnappt hat. Der drohte bei seiner Verhandlung, beiden Ermittlern die Familie zu rauben. Die von Joonas Kollege wurde wie gesagt entführt, Joona fand einen Ausweg, doch verzeihen konnte er das Walter nie. Dadurch war aber auch klar, dass Walter einen Komplizen haben muss, denn er konnte in der Psychiatrie sitzend ja schlecht die Familien entführen. Doch wer der Komplize war, wurde nie herausgefunden, da die Polizei von dieser Theorie nicht überzeugt war und der Fall niedergelegt wurde. Doch mit dem Auftauchen von Mikael wurde dieser Fehler eingesehen und die Suche nach dem Mittäter aufgenommen.

Was mich beim Lesen traurig gemacht hat, war die Geschichte um Mikael und seine Schwester Felicia. Der Leser erfährt viel über die Vergangenheit und auch, dass Mikael das Lieblingskind seines Vaters Reidar war. Er war das Musterkind und alles, was er getan hat, fand bei Reidar Gefallen. Felicia hingegen konnte ihm fast nichts recht machen. Sie wurde meist grob von Reidar behandelt, was ungerecht war, da sie einfach ein Kind ist und Kinder über viele Dinge einfach nicht nachdenken. Doch obwohl Felicia bei Reidar oft in Ungnade gefallen ist, vermisst er sie trotzdem und versucht alles in seiner Macht stehende, um seine Tochter zu finden.

Was ich interessant finde: Am Anfang von Der Sandmann wird über den Autor Lars Kepler aufgeklärt. Den es handelt sich um ein Pseudonym, dahinter steckt das Ehepaar Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril. Der Sandmann ist das vierte Buch der Jonna Linna-Reihe. Wer Vorgängerbücher nicht kennt, kann Der Sandmann aber trotzdem lesen, alle nötigen und fehlenden Informationen werden im Buch geliefert. Übrigens fühlt sich das Buch sehr schön an. Vielleicht ist es etwas komisch, sowas über ein Buch zu sagen, aber der Einband ist wirklich schön anzufassen 😀

Ich kann das Buch wirklich jedem Krimifan empfehlen. Es ist so spannend, dass ich oft spät ins Bett bin, weil ich unbedingt wissen wollte, was noch alles passiert. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen. Der Sandmann hat definitiv Lust auf mehr Bücher von „Lars Kepler“ gemacht!

Kennt ihr die Bücher von Lars Kepler? Wie findet ihr sie? Habt ihr Der Sandmann gelesen und findet das Buch auch so spannend wie ich?

 

brunettemovie: Raum

Auf diesen Film war ich total gespannt: Raum. Bei den Oscars hat man ja einige Ausschnitte aus dem Film gesehen und die haben mich richtig neugierig gemacht. Dann hat Brie Larson auch noch den Oscar für die Beste Hauptdarstellerin gewonnen und der kleine Jacob Tremblay spielt auch noch mit. Der ist ja so knuffig und hat mit seinen neun Jahren tatsächlich schon einen Preis gewonnen. Ich war also richtig neugierig auf den Film und er stand ganz oben auf meiner Watchlist. Seit dem 17.03. ist er nun im Kino, aber um was geht’s?

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Joy (Brie Larson) und ihr Sohn Jack (Jacob Tremblay) hausen in einem kleinen Raum, der gerade mal ein Bett, Tisch, zwei Stühle, einem Miniherd, einer Wanne und einer Toilette. Wie gesagt, alles in einem Raum. Anfangs kann man sich noch denken, dass sie eine mittellose Mutter ist und sich nicht mehr leisten kann, doch schnell wird klar, dass Joy und Jack gefangen gehalten werden. Die beiden hecken mehrere Pläne aus, um zu fliehen, doch alles erscheint aussichtlos. Dann scheint ein Versuch zu gelingen, doch nun stellt das wahre Leben die beiden vor neue Herausforderungen – werden die beiden es schaffen, sich ein neues Leben aufzubauen?

So ein guter Film! Wahnsinn! Die Handlung schwankt von spannend zu traurig zu erleichtert und fröhlich und bringt den Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle. Brie Larson spielt wirklich toll, aber sie wird von einem übertroffen: Jacob Tremblay. Der Kleine ist ja der Knaller! Er spielt den kleinen Jack wirklich klasse und man nimmt ihm einfach alles ab. Am besten finde ich tatsächlich die Szenen, in denen er panisch schreit und generell alles nach der Flucht aus dem Raum. Von ihm können wir bestimmt noch viel erwarten.

Der Film teilt sich in zwei Hälften auf: Einmal die Zeit im Raum und dann die Zeit außerhalb. Im Raum fühlt sich Jack wohl, er kennt es ja nicht anders. Seine Mutter hat sich mit der beengten Lebenssituation abgefunden und versucht alles, um Jack das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Jeden Sonntag kommt der Kidnapper vorbei, bringt ihnen Lebensmittel und alles, was sie sonst noch brauchen und hat seinen Spaß mit Joy. Währenddessen befindet sich Jack immer im Wandschrank und tut so, als ob er das, was außerhalb passiert, nicht mitbekommt. Kaum sind sie außerhalb des Raumes wandelt sich das Bild: Joy ist glücklich, wieder in gewohnter Umgebung zu sein, doch für Jack ist die Umstellung hart: Er kennt den Himmel, Bäume, Blätter, Pflanzen etc. nicht und auf seiner Flucht überwältigt ihn alles so sehr, dass er fast das Fliehen vergisst. Er muss sich also erst an alles gewöhnen und so kommt er auch nicht mit den vielen neuen Leuten klar, die ihn nun umgeben und klammert sich an Joy, die ja immer sein einziger Bezugspunkt ist.

Da es natürlich zu schön wäre, dass die beiden nun endlich ihr Leben genießen können, passiert natürlich noch etwas, was wieder das Leben der beiden auf den Kopf stellt. Was genau, wird nicht verraten 😉 Mir war aber klar, dass noch etwas passieren muss, da der Film angefangen hat vor sich hinzuplätschern. Ich hätte allerdings mit etwas anderem gerechnet. Wo ich auch dachte, dass die Story einen anderen Verlauf nimmt, war nach Jacks Flucht, als die Polizei nach seiner Mutter sucht. Ich war fest davon überzeugt, dass der Kidnapper Joy inzwischen weggebracht hat, immerhin hätte ihm ja klar sein müssen, dass die Polizei ihm nun auf die Fährte kommen könnte – zumindest wäre es das gewesen, was ich gemacht hätte, wenn ich jemanden gefangen halten würde (Konjunktiv, ja! 😉 ). Das hätte den Film definitiv spannender gemacht und ihn nochmal in eine ganz andere Richtung gelenkt. Aber da der Film auf einem Buch beruht, das ich nun auch gerne lesen möchte, war da ja nicht so viel Spielraum. Vielleicht ist es ja im Buch so und das wurde im Film zwecks Zeitgründen geändert.

Ich kann nur jedem empfehlen sich diesen Film anzuschauen! Das Drama zieht einen richtig in den Bann und die zwei Stunden vergehen wie im Flug, da man so in der Story drin ist. Auch wegen der Schauspieler lohnt es sich definitiv, die beiden Hauptdarsteller spielen richtig klasse und überzeugend.

Habt ihr Raum schon gesehen oder wollt ihn noch sehen? Habt ihr das Buch gelesen?

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